„Erwarten und Sein“ – mit der Fertigstellung des linken Flügels ist das Triptychon abgeschlossen | Frank Hauptvogel
Erwarten und Sein - H 190 cm x B 620 cm -  2013/14

Erwarten und Sein – H 190 cm x B 620 cm – 2013/14

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„Erwarten und Sein“

Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren entstand das Triptychon mit dem Thema, „Erwarten und Sein“. Eine Gesamtfassung als Entwurf gab es nicht, da ich nur selten anhand von konkreten Studien oder Skizzen arbeite und ein Bildthema erst auf der Leinwand erarbeite. Unter dem Arbeitstitel „Lethargie“ begab ich mich auf eine Reise, deren Verlauf mir nur in etwa bekannt war. So blieb ich neugierig auf Begegnungen und Räume.

Durch die temporäre und simultane Arbeit am Triptychon war es mir nicht jederzeit möglich, zum Thema zurück zu finden, da die Abfolge der Entstehung der Bilder in einem progressiven Prozess steht und ich hin und wieder den mentalen oder emotionalen Kontakt zum Bild verloren hatte.

In der Dreiteilung eines Werkes halte ich eine komplexere Bearbeitung eines Themas für möglich. Gestalterische, wie auch thematische Überlegungen können variiert, Deutungen und Bedeutungen lanciert und in Zeit- und Handlungsebenen gegliedert werden. Das Feld der Interpretation wird erweitert, jedoch gleichermaßen gerichteter.

Wie in meinen anderen Bildern sind auch hier die Protagonisten wesentlich. Sie dominieren Bildgeste und Komposition. Räume und Gegenstände bleiben wage, sequentiell, als wollten sie im nächsten Moment aus unserer Wahrnehmung geraten. Nur im Mittelteil ist der Hintergrund von einer verkarsteten Landschaft durchwoben, bleibt aber dennoch unwirklich. So entstehen Eindrücke gleich der Wahrnehmung von Träumen.

Bildräume und Figuren entstehen in einer gegenseitigen Beeinflussung. Nachdem ich Landschaften oder Räume in einer Art Bewegung angelegt habe, positioniere ich die Figuren, zeichne sie in Haltung und Geste.

In der Entwicklung einer Figur, ihrem Porträt und ihren Wesenseigenschaften, sehe ich eine Art „Pinocchio-Effekt“. Mit der Charakterisierung der Persönlichkeit erwacht der Protagonist zum Leben und nimmt Einfluss auf sein Umfeld, auf den weiteren Verlauf der Bildentstehung. Auch Zufälle mache ich mir zunutze. Sei es eine übermalte malerische Anlage, deren Linien und Formen schemenhaft stehenblieben oder Zufälligkeiten, die durch ungenauen Farbauftrag passierten.

Nun ist es bei einem dreiteiligen Bild für mich neu, einerseits die Bildkomposition eines Formates zu entwickeln und im weiteren Entstehungsprozess der anderen Bildtafeln auch eine Gesamtkomposition zu beobachten. Die Idee, den Bildraum in allen drei Formaten anzupassen, erschien mir ungeeignet, da ich so einen nichtgewollten Kontext herstellen würde. Die unterschiedliche Verortung bewirkt die Betrachtung jedes einzelnen Motivs als separates Ereignis und wird so eher metaphorisch erfahren.

Zum Inhalt ein paar wenige Gedanken. Jedoch möchte ich keine Interpretation vorwegnehmen. Die ist jedem freigestellt, zumal jeder eigene Erfahrungen und Prägungen hat. Ich möchte nur mitteilen, unter welchem Eindruck ich an dem Triptychon gearbeitet habe.

Unter den Menschen in meinem Umfeld nehme ich eine Art Ohnmacht gegenüber dem Lauf der Dinge in Gesellschaft, Politik aber auch in partnerschaftlichen Beziehungen wahr. Durch die Fülle der zu gewährleistenden Aufgaben und die Allmacht des Alltäglichen, durch fehlende Selbstbestimmung über das Leben geraten wir in Korridore, die uns eine Veränderung all dessen, was uns Angst macht, nicht zulassen. Wir verdrängen Unheil, Kriege, die Zerstörung lebensnotwendiger Ressourcen, alle Art Bedrohung. Und doch auch existiert die Angst vor Veränderungen an einem bekannten und scheinbar Sicherheit gebenden System.

Manchmal entsprechen unsere Erwartungen nicht dem Sein. In der Erwartung liegt aber die Hoffnung, es möge gelingen. Die Ohnmacht tilgt jedwede Erwartung. Selbst der Albtraum lässt uns nicht mehr fürchten. Ein Krieg ist für uns, die ihn nicht unmittelbar erleben, ein Albtraum. Was ist, wenn er auch für uns sein wird.

Das Triptychon ist kein Auftragwerk und ist auch für keine Verwendung, außer dem Betrachten, vorgesehen.

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